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Coaching mit den Jüngsten in der Gruppe

September 29, 2014

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Leben wollen alle im Glück.

January 15, 2017

 

>Leben wollen alle im Glück, doch um zu erkennen, was das Leben glücklich macht, dafür sind wir blind. Und es ist derart schwierig, ein glückliches Leben zu erlangen, dass jedermann sich 5 von diesem Ziel desto weiter entfernt, je leidenschaftlicher er es verfolgt – wenn er den falschen Weg eingeschlagen hat. Sobald ihn dieser in die entgegengesetzte Richtung führt, ist gerade seine Hast die Ursache dafür, dass der Ab- 10 stand immer größer wird. Daher müssen wir uns zunächst darüber klar werden, was überhaupt unser Ziel ist, und uns dann Gedanken machen, wie wir am raschesten dorthin gelangen können. Sind wir erst einmal 15 auf dem rechten Weg, werden wir merken, wie viel davon täglich zu schaffen ist und um wie viel wir dem näher gekommen sind, dem uns ein natürliches Verlangen entgegentreibt. Solange wir aber in alle Richtungen schweifen und kei- 20 nem Führer folgen, sondern dem Geflüster und verworrenen Geschrei von Leuten, die uns daund dorthin rufen, verrinnt unser Leben, kurz wie es ist, auf Irrwegen, selbst wenn wir uns Tag und Nacht um die rechte innere Einstellung 25 bemühen. Demnach muss eine Entscheidung darüber fallen, wohin wir eilen und auf welchem Weg, und zwar nicht ohne irgendeinen Ortskundigen, der das, was wir vor uns haben, gründlich erforscht 30 hat. Die Dinge liegen hier ja nicht so wie bei sonstigen Reisen: Auf ihnen lassen uns der eingeschlagene Pfad und die Einheimischen, die wir fragen, nicht fehlgehen, hier aber führt uns gerade ein ausgetretener vielbegangener Pfad 35 am ehesten in die Irre. Vor nichts sollten wir uns folglich mehr in Acht nehmen als davor, wie Schafe der Herde zu folgen, die vor uns dahinzieht, und nicht die Richtung einzuschlagen, in die man gehen 40 müsste, sondern die, in die man geht. Nichts lässt uns ja in größeres Unheil geraten, als dass wir uns nach dem Gerede der Leute richten und für das Beste halten, was mit lauter Zustimmung aufgenommen wird, dass wir viele Vorbilder 45 haben, und nicht nach der Vernunft, sondern in der Bereitschaft leben, uns anzupassen. Daher stürzen wir auch zuhauf ins Verderben, einer über den anderen. Was bei einem großen Menschenauflauf geschieht, wo die Leute sich 50 gegenseitig voranstoßen – keiner stürzt, ohne zugleich einen anderen mit sich zu reißen, und die Vordersten bringen die Nachdrängenden zu Fall-, das kann man im Leben allenthalben beobachten: Niemands Fehltritt schadet nur ihm 55 allein, sondern verursacht und bewirkt fremde Verfehlung. In der Tat ist es schädlich, sich eng an die zu halten, die vorangehen, und solange es ein jeder vorzieht, zu glauben statt zu entscheiden, fällt 60 nie eine Lebensentscheidung, man glaubt nur immer, und es treibt uns ins jähe Verderben der von Geschlecht zu Geschlecht sich forterbende Wahn. […] L. Annaeus Seneca: Vom glücklichen Leben. De vita beata I. Übers. und hrsg. von Fritz-Heiner Mutschler. Reclam, Stuttgart 1984, S. 64

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April 3, 2019

March 26, 2019

January 29, 2019

January 17, 2019

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